Vielen Dank für deine interessanten Inputs. Ich habe mich auch gefragt, wieso die Kirche in diesem Bericht kein einziges Wort über virtuelle Friedhöfe verliert. Vielleicht habe ich aber nun dazu eine Erklärung gefunden:
Letzte Woche hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einem Pfarrer über virtuelle Friedhöfe. Er wusste nicht einmal, was ein virtueller Friedhof genau ist und dass es dies in der Schweiz gibt. Vielleicht ist er da nicht der Einzige…deshalb wurden virtuelle Friedhöfe vielleicht auch in diesem Bericht nicht erwähnt…
Ich habe diesem Pfarrer dann einiges über virtuelle Friedhöfe erzählt und er hat mir einiges über die heutige „Situation der Friedhöfe“ erzählt und Vergleiche zu virtuellen Friedhöfen angestellt.
Er meinte, dass bei realen Friedhöfen die Tradition eine grosse Bedeutung hat, was bei virtuellen Friedhöfen (noch) nicht der Fall ist. Er meinte auch, dass jeder gezwungen ist auf dem Friedhof zu sein, man wird einfach automatisch auf einen Platz im Friedhof eingeteilt – egal ob man viele Angehörige hat, die um einen trauern und das Grab besuchen werden oder ob niemand so richtig traurig ist, dass diese Person sterben musste und das Grab wohl nie jemand besuchen wird. Dies ist im virtuellen Friedhof nicht der Fall. Nicht alle Leute kommen automatisch auf den virtuellen Friedhof. Die „Gerechtigkeit“ ist dort also nicht immer vorhanden. Wenn man eine Person nicht mochte, so wird man nach deren Tod wohl kaum ein virtuelles Grab für diese Person einrichten.
Dieser Pfarrer meinte, dass Gemeinschaftsgräber oder Urnennischengräber (eine Steinwand in die Urnen hinein gestellt werden und auf die Wand wird der Name, sowie Geburts- und Todesdatum eingeritzt) Zukunft haben werden. Diese beiden Bestattungsformen ähneln seiner Meinung nach am meisten den Gräbern auf einem virtuellem Friedhof. Denn es ist eine relativ anonyme Bestattungsform und es besteht kein grosser Aufwand für die Hinterbliebenen.
Er meinte auch, dass durch ein reales Grab viel mehr Gefühle transportiert werden können, als dies über das Internet möglich ist. Einem realen Grab ist beispielsweise anzusehen, ob es gut gepflegt ist oder nicht, also ob es hier noch Personen gibt, die sich um das Grab kümmern. Dies ist auf einem virtuellen Friedhof nicht zu sehen. Dafür findet man auf dem Friedhof sonst meist mehr Informationen als auf einem realen Friedhof, wo man lediglich Name, Geburts- und Todesdatum der jeweiligen Person sieht.
Nach der Frage, wie er den Friedhof in 20 Jahren sehe, meinte er, dass dieser dann noch genau so aussehen werde wie heute. Ich bin mir da nicht ganz sicher. Das würde ja heissen, dass virtuelle Friedhöfe keinen grossen Zuwachs bekommen werden? Oder sie werden nur als Ergänzung zu einem realen Grab genutzt?
Das Gespräch war für mich sehr interessant und hat mir viele neue Denkanstösse gegeben. Obwohl der Pfarrer nicht explizit gesagt hat, dass er den virtuellen Friedhöfen eher negativ gegenüber steht, war während des Gesprächs heraus zu hören, dass er davon nicht unbedingt begeistert ist. Dies ist natürlich nur eine Meinung, von welcher aus man nicht auf die allgemeine Meinung der Pfarrer/Kirche schliessen kann.
Ich denke das Thema virtuelle Friedhöfe ist in der Schweiz bis heute noch zu wenig aktuell, so dass man sich auf Seiten der Kirche vielleicht noch gar nicht so viele Gedanken dazu gemacht hat. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass sich die Kirche in Zukunft mit dieser Thematik auseinandersetzen muss.
Ich finde es eine sehr gute Idee von dir, dass du mit einem Pfarrer über das Thema gesprochen hast. Da mein Vater ebenfalls Pfarrer ist, möchte ich ihn auch einmal auf dieses Thema ansprechen. Mich nimmt es ziemlich wunder, was er zu den virtuellen Friedhöfen sagt. Ich kann mir gut vorstellen, dass er auch nicht viel über dieses Thema weiss. Ich bin wie du der Meinung, dass er sicherlich nicht der Einzige ist, welcher nicht weiss, was ein virtueller Friedhof genau ist.
Mit seinen Meinungen zur Bedeutung von realen Friedhöfen würde ich Ihm Recht geben. Die Gerechtigkeit ist ein wichtiger Aspekt, welcher bei den virtuellen Friedhöfen fehlt. Ich kann mir jedoch Vorstellen, dass in der Zukunft die Gerechtigkeit aufgehoben wird. Vielleicht ist es dann die Aufgabe der Pfarrer, alle Personen die sterben in einem virtuellen Friedhof abzulegen. Eventuell hat es dann bei den Gräbern der beliebteren Personen noch zusätzliche Einträge von Verwandten und Freunden anstatt von Blumen. Bei den Personen die keine Angehörigen haben würden dann wie bei einem realen Friedhof auch keine zusätzlichen Blumen, sprich im virtuellen Friedhof keine Einträge vorhanden sein.
Wenn „dein“ Pfarrer meint, dass man bei einem virtuellen Friedhof nicht sehen kann, ob die Gräber gepflegt sind oder nicht möchte ich Ihm ein wenig widersprechen. Ich denke es ist bei einem Grab im Internet auch zu sehen, ob es „gepflegt“ wurde oder nicht anhand der Einträge und Gestaltung der virtuellen Gräber.
Wir können es uns im Moment noch nicht so gut vorstellen, dass reale Friedhöfe durch virtuelle ersetzt werden. Ich denke es wird auch niemals so weit kommen. Für die Generation nach uns bei welcher das Internet immer mehr zur Gewohnheit wird, könnte ein virtueller Friedhof jedoch bedeutender als ein realer Friedhof werden.
Ich glaube die virtuellen Friedhöfe werden in 20 Jahren einen grossen Zuwachs bekommen.
Ich bin überzeugt, dass du dem Pfarrer auch ein Denkanstoss gegeben hast. Die Schweiz muss sich auch meiner Meinung nach noch sehr mit dieser Thematik auseinander setzten. Im Internet habe ich eine Seite gefunden (http://www.internet-friedhof.de/userinfo.php?uid=2) welche von einem Pfarrer aufgesetzt wurde. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob diese Person sich nur virtuell als Pfarrer und Seelsorge ausgibt? Vielleicht setzten sich die Deutschen schon mehr mit dieser Thematik auseinander.